Unter der Rubrik Behandlungsangebot sind bei den einzelnen stationären Einrichtungen die jeweils wichtigsten spezifischen Indikationen aufgelistet.

Zuweisung und Nachbetreuung


Ein besonderes Anliegen des Netzwerks Psychosomatik ist die Vernetzung der verschiedenen Behandlungssysteme. Dies spielt besonders bei stationären psychosomatischen Behandlungen eine Rolle, die nur dann indiziert sind, wenn triftige Gründe gegen eine Behandlung im niedergelassenen bzw. ambulanten Bereich sprechen.

Außerdem soll auf der Basis von klaren Indikationskriterien sicher gestellt sein, dass es sich dabei nicht um eine "kleine Psychiatrie" handelt, sonder um internistische oder andere, nicht psychiatrische Fächer betreffende Erkrankungen, bei denen schwerwiegende biopsychosoziale Wechselwirkungen das Krankheitsbild bestimmen. Eine Liste mit entsprechenden Indikationen für stationäre psychosomatische Behandlungen finden Sie hier.

Indikationskriterien
(nach Univ.-Prof. Dr. Gerhard Schüßler, Univ.-Klinik für Medizinische Psychologie und Psychotherapie Innsbruck)

Indikation für psychosomatische stationäre Behandlung - Allgemeine Kriterien


1. Schwere der Störung (Dysfunktion)
    a) Somatische Symptome (Anorexia nervosa, Schmerzstörung,
        somatoforme Störung usf.)
    b) Psychische Symptome (Angst und Depression
        bei körperlichen Erkrankungen)
    c) Soziale Symptome(Defizite)

2. Psychosozial-psychosomatische Symptome, die trotz ambulanter
    Behandlung drohen chronisch zu verlaufen

3. Erforderliche Distanzierung aus einer pathogen-sozialen Situation

4. Motivationsarbeit für eine weitere ambulante Therapie

5. Pragmatische Indikation - fehlende ambulante Behandlungsoptionen im
    Lebensumfeld des Patienten / der Patientin

6. Gefährdung der weiteren Arbeitsfähigkeit bzw. Gefährdung,
    die Arbeitsfähigkeit nicht wieder zu erlangen



Indikation stationärer psychosomatischer Behandlungen - Krankheitsbilder

Wesentliche Indikationen einer stationären psychosomatischen Behandlung sind:

1.  Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen (F 43)
     bei körperlichen Erkrankungen

2.  Depressive Störungen bei körperlichen Erkrankungen (F 32/33/34)

3.  Angststörungen bei körperlichen Erkrankungen (F 40/41)

4.  Dissoziative (Konversions-) Störungen (F 44)

5.  Somatoforme Störungen mit Schwerpunkt Schmerzstörung (F 45.4)

6.  Autonome funktionelle Störungen (F 45) (z.B. Herzangst,
     funktionelle Herz-Rhythmusstörungen)

7.  Chronische Schmerzsyndrome, Fibromyalgiesyndrom (F 45.38),
     chronic fatigue syndrome

8.  Essstörungen (F 50)

9.  Schlafstörungen (F 51)

10. Tinnitus aureum (H 93.1)

11. Körperliche Erkrankungen mit erheblichen psychosozialen Faktoren
     (Erkrankungen aus dem Bereich der Inneren Medizin, Onkologie,
     Gynäkologie, Neurologie u.a.)

Anmerkung: Von Seiten des Teams der NetzwerkkoordinatorInnen sind wir, wie von mancher Seite gewünscht, prinzipiell für eine weitere inhaltliche Diskussion jeder Indikationsliste offen, nicht zuletzt deshalb, weil uns diesbezüglich ein österreichweiter Konsens als wichtig und anstrebenswert erscheint (siehe auch ÖBIG-Expertise 1999).


Verläuft eine stationäre psychosomatische Behandlung erfolgreich, ist damit leider noch nicht garantiert, dass es zu einer nachhaltigen positiven Veränderung kommt. Erfahrungen aus Deutschland zeigen, dass sich Erfolge nach stationären Aufenthalten oft nur begrenzt oder kurzfristig in den Alltag übernehmen lassen. Konsequenter Weise ist daher auch den Nachbetreuungsoptionen besonderes Augenmerk zu schenken.

Mit entsprechenden Modalitäten für die Zuweisung und Nachbetreuung soll ein nachhaltiger Behandlungserfolg sichergestellt werden. Gleichzeitig sollen diese Vorgaben offen und differenziert genug sein, um unterschiedliche Behandlungskonzepte und unterschiedliche organisatorische Rahmenbedingungen berücksichtigen zu können. Alle Interessierten - potentielle Zuweiser, Nachbetreuer und stationäre psychosomatische Einrichtungen - sind eingeladen, sich an dieser Diskussion zu beteiligen.

Zuweisung / Nachbetreuung